Ars oblivionis.
Sena Başöz – Metaphern der Erinnerung
Eröffnung: 15. September 18:00-20:00
16. September – 31. Oktober 2020
und nach Vereinbarung

 

 

 

 

 

Analogien von geschreddertem Papier und Algenbefund, Videomaterial, 2020

 

Sena Başöz machte auf der Liste Art Fair, Basel 2019 mit ihrer Installation „Forough“ auf sich aufmerksam. Über 300 Fotografien ausgestopfter Vögel flatterten im Rhythmus eines Ventilators. Zuvor war die Künstlerin in einem Archiv auf eine Sammlung präparierter Vögel aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert gestossen. Diese Vögel – einige davon inzwischen ausgestorben – wurden fotografiert und inszeniert: Nun heben sie erneut zum Flug ab. Der Luftstrom folgt dem Rhythmus des sich bewegenden Ventilators und imitiert den Vogelflug. Wenn der Betrachter dazwischentritt, wird er unterbrochen, die Vögel stürzen ab. Der Flug als Metapher. Einer Metapher, die mit der Erinnerung und mit dem Vergessen spielt.

https://vimeo.com/298958875

Sena Başöz spielt mit Gedankenbildern und thematisiert in ihren Werken sowohl Mnemotechniken als auch die mnemotechnische Funktion von Kunst.

Auch während ihrem Arbeitsaufenthalt in Basel wird sich die Künstlerin mit Archivierungs- und Erinnerungskulturen beschäftigen. Dabei stehen jedoch die symbiotischen Verschmelzungen von Kulturen und ihre unterschiedlichen Narrative im Vordergrund.

Wie verändert sich die Wahrnehmung der eigenen Kultur, wenn der Luftstrom der Herkunft unterbrochen wird? Wie verändert sich die Erinnerung daran? Was wird vergessen? Was geht verloren? Diese Ausgangslage und Leitfragen bieten Sena Başöz’ Material um eine ortsspezifische Installation zu schaffen. Was verschwunden und vergessen ist, kehrt als Erinnerung zurück – nicht in Form des Werkes selbst, sondern in der Erinnerung des Betrachters.

Die Erstellung eines Archivs ist eine Form der Pflege. In seinem Buch Learning How to Die in the Anthropocene argumentiert Roy Scranton, das Einzige, was die Menschheit retten kann, die Erinnerung ist. Da unbenutzte Archive ihre Aufgabe nicht erfüllen, soll es durch Erzählungen daraus aktiviert und schliesslich regeneriert werden. In ihren neueren Arbeiten konzentriert sich Sena Başöz auf die Bedingungen der Aktivierung institutioneller Archive und fragt gleichzeitig was mit den persönlichen Archiven, Geschichten und dem angesammelten Wissen geschieht, die nicht in den institutionellen Bereich passen.

Başöz wird ein neues Werk produzieren, das Bedingungen des Erinnerns oder Vergessens zusammenführt, die unter unterschiedlichen Voraussetzungen auftreten. Während ihres Arbeitsaufenthaltes in Basel wird die Künstlerin Interviews führen sowie die institutionellen Gesundheits- und Missionsarchive vor Ort untersuchen, da sie sich auch mit den Faktoren der Pflege wie Trauma und Heilung beschäftigt.

In Chance and Chaos von David Ruelle, stellt der Mathematiker fest, dass kleine Veränderungen, die sich in der Struktur der Turbulenzen bilden, zu einer größeren Veränderung in der Zeit führen können. Durch ihre Arbeit erforscht die Künstlerin die Auswirkungen von natürlichen Elementen wie Wind und Wasser, die Turbulenzen verursachen und das Potential dieser Turbulenzen. Das Gewässer des Rheins hat Turbulenzen. Başöz möchte den Fluss und seine Flora als Metapher für ihre Arbeit untersuchen. Sie wird eine ortsspezifische Installation mit einem Video und verschiedenen Formen von archiviertem Material sowie Ton- und Bildmaterial im Ausstellungsraum schaffen.